Wir fordern eine obligatorische Sensibilisierung, was rassismuskritische Strukturen angeht.
Wir fordern eine obligatorische Sensibilisierung, was rassismuskritische Strukturen angeht.
Interview mit Bundesfachnetz
Das Bundesfachnetz Gesundheit und Rassismus haben wir 2022 auf der Konferenz zu Gendermedizin auf Kampnagel kennengelernt und uns sehr darauf gefreut, mehr über dessen Arbeit zu erfahren. Immer wieder fällt uns auf, dass Personen und Initiativen, die an den Fehlstellen des deutschen Gesundheitssystems arbeiten, mit einem unglaublich hohen Bedarf konfrontiert sind. Wenn Personen ehrenamtlich oder mit geringer Förderung arbeiten, um diese Mängel aufzufangen, wird deutlich, wie dringend die angemessene und strukturelle Finanzierung von Forschung und Beratungsstrukturen benötigt wird. Kim und Inga von die Neue Gesundheitsbewegung trafen Yasmina Metwally und Sina Rahel Holzmair vom Bundesfachnetz Gesundheit und Rassismus online. Die Interviewfragen und Forderungen hatte das Bundesfachnetz intern mit Kadijata Bah, Mariela Georg, Diminga Lorenz, Sumona Dhakal, Sina Rahel Holzmair und Yasmina Metwally besprochen.
»Wir fordern eine offizielle Anlaufstelle bzw. Ombudsstelle für Fälle von rassistischer Diskriminierung, die gemeldet werden können und die auch bearbeitet werden, in allen Institutionen wie den Krankenversicherungen, in Kliniken, an den Universitäten, Anti-Diskriminierungsinstanzen in Ärzt:innenkammern, Psychotherapeut:innen-Kammern. Die sollen dann auch von Menschen besetzt werden, die rassismuskritisch denken und rassismuskritische Ansätze mitbringen.«Yasmina
Das Bundesfachnetz Gesundheit und Rassismus hat sich durch einen offenen Brief gegründet, den unsere Arbeitsgruppe veröffentlicht hat. Anlass war der Beschluss des Bundeskabinettsausschusses gegen Rechts, der 2020 eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt hat, um antirassistische Maßnahmen in der Bundesrepublik durchführen zu lassen. Uns fiel auf, dass die beschlossenen Maßnahmen das Gesundheitssystem nicht einmal berührten. Wir haben uns dann im Rahmen eines Vortrags von Amma Yeboah zum Thema psychische Gesundheit in Korrelation mit Rassismus und Diskriminierungserfahrungen kennengelernt und diese Arbeitsgruppe gegründet.
Nach und nach ist daraus das Bundesfachnetz Gesundheit und Rassismus hervorgegangen. Wir alle bringen unterschiedliche Perspektiven mit und haben unterschiedliche Berührungspunkte mit dem Gesundheitssystem. Manche von uns arbeiten darin und machen da als migrantische Menschen Diskriminierungserfahrungen. Manche von uns sind einfach Nutzer:innen des Gesundheitssystems und sind auf dessen Leistungen angewiesen.
Für mich war 2020, als die Black Lives Matter Bewegung in Deutschland ganz groß wurde, ein wichtiger Zeitpunkt. Es hatte etwas sehr Empowerndes, sich in einer FLINTA (Frauen, Lesben, Inter, Trans, Agender) BIPoC (Black, Indigenous, People of Colour) Gruppe, einer mehrheitlich Schwarzen Gruppe, regelmäßig zu treffen und zu diesen Themen zusammenzuarbeiten. Es gab mir das Gefühl, handlungsfähig und mächtig zu werden in einer Zeit, wo man sich sehr hilflos und sehr ohnmächtig fühlt durch die gesellschaftlichen Ereignisse.
»Es gab mir das Gefühl, handlungsfähig und mächtig zu werden in einer Zeit, wo man sich sehr hilflos und sehr ohnmächtig fühlt durch die gesellschaftlichen Ereignisse.«Sina
Ich habe einen juristischen Background und war schon immer aktivistisch in der politischen Arbeit aktiv. Im Bundesfachnetz habe ich für mich die Chance entdeckt, etwas wirklich Greifbares zu machen.
Meine Mutter ist kopftuchtragende Frau und Muslima und in meiner Kindheit und Jugend habe ich schnell mitbekommen, wie schwer es ist, sich im gesundheitlichen Bereich zurechtzufinden. Der Arztbesuch ist nicht immer easy und du musst wirklich ganz konkret Ärztinnen aussuchen, die dich verstehen, die barrierearm sind, auch von der Sprache her, die nicht mit Vorurteilen arbeiten und die deinen kulturellen Background nicht als Vorwand nehmen für eine Diagnose. Ich glaube, viele Menschen, die rassifiziert werden, haben solche Erfahrungen gemacht. Als ich vom Bundesfachnetz erfahren habe, wusste ich, ich will da unbedingt mitmachen.
Unsere Initiative ist eine mehrheitlich Schwarze Initiative. Wir sind eine Initiative für und von BIPoCs und sind auch eine FLINTA Initiative. Intersektionales Arbeiten ist unser Grundsatz. Wir setzen uns insbesondere für BIPoC FLINTA Personen ein, da diese eine ganz bestimmte Gewalt von Rassismus erfahren im Gesundheitswesen, aber generell auch das Patriarchat an sich erfahren. Dem wollen wir entgegenwirken und das sichtbar machen.
»Der Arztbesuch ist nicht immer easy und du musst wirklich ganz konkret Ärztinnen aussuchen, die dich verstehen, die barrierearm sind, auch von der Sprache her, die nicht mit Vorurteilen arbeiten und die deinen kulturellen Background nicht als Vorwand nehmen für eine Diagnose. Ich glaube, viele Menschen, die rassifiziert werden, haben solche Erfahrungen gemacht.«Yasmina
Es ist eine ganz besondere Art zu arbeiten, weil wir eben auch ein Safer Place sind. Das bedeutet, dass wir großen Wert auf unsere eigene Gesundheit, unsere mentale Gesundheit und unser Wohlbefinden legen. Und unserer Emotionalität und unserem Umgang als Community miteinander viel Raum geben und mitfühlend und empathisch miteinander sind. Das kenne ich von anderen Organisationen oder Institutionen, wo ich vorher gearbeitet habe, in der Weise nicht.
Was für uns wichtig ist, ist, dass an erster Stelle immer zählt, wie es uns geht und an zweiter Stelle, was noch gemacht werden muss. Wir priorisieren unser eigenes Wohlbefinden und wir gehen nur auf Kooperationen und Anfragen ein, bei denen wir auch was zurückbekommen. Sodass wir unsere Ressourcen nicht einfach freigeben, sondern im Sinne von Power Sharing auch etwas dafür bekommen möchten.
Ich glaube, dass wir zwischenmenschlich sehr aufeinander achten. Das ist eine Stärke unserer Gruppe.
Was unserer Initiative als Bundesverband sehr gut gelingt, ist das Vernetzen der verschiedenen Akteurinnen, dass wir bundesweit alle Akteurinnen, die von Rassismus betroffen sind und irgendwie im Gesundheitswesen tätig sind, miteinander vernetzen und sie miteinander bekannt machen.
Wir haben konkrete Forderungen für dieses Gespräch vorbereitet, die wir gerne teilen möchten.
Es beginnt mit dem fehlenden bzw. dem eingeschränkten Zugang zu gesundheitlichen Leistungen von Personen, die keinen offiziellen Aufenthaltsstatus haben.
Wir fordern, dass gesetzliche Krankenkassen auch für geflüchtete Menschen mit nicht offiziellem Aufenthaltsstatus existieren, sodass sie diese Leistungen auch beziehen dürfen und können.
Zudem fordern wir die Einführung einer erweiterten Schweigepflicht auch für Sozialämter bei Personen, die gesundheitliche Leistungen im Rahmen des Asylbewerberleistungsgesetzes erhalten.
Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass viele Menschen, die keinen offiziellen Status haben, oftmals nicht zum Arzt gehen können. Auch wenn es Notfälle sind, besteht immer die Angst, dass sie abgeschoben werden.
»Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass viele Menschen, die keinen offiziellen Status haben, oftmals nicht zum Arzt gehen können. Auch wenn es Notfälle sind, besteht immer die Angst, dass sie abgeschoben werden.«Yasmina
Ergänzend zu dem Punkt der erweiterten Schweigepflicht ist die Entkriminalisierung von Arztpraxen ganz wichtig, die Leistungen anbieten für Menschen ohne offiziellen Aufenthaltsstatus und für Menschen, die gar keine Krankenversicherung haben.
Wir möchten darlegen, dass gerade nichtweiße Gebärende gewaltvoller Behandlung ausgesetzt sind. Ihnen fehlt oft die Möglichkeit, von einer BIPoC Hebamme oder BIPoC Gynäkologin begleitet zu werden.
Wir fordern offizielle Anlaufstellen für FLINTA Personen zur Beratung zu Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbrüchen, Verhütungsmethoden, die nicht kirchlich geführt werden. Wir müssen alle FLINTA Personen mitbedenken und Beratungen außerhalb binärer Vorstellungen anbieten.
Wir brauchen mehr rassismuskritische Therapie und rassismussensible Therapeut:innen im Bereich der Psychotherapie.
Wir fordern eine offizielle Anlaufstelle bzw. Ombudsstelle für Fälle von rassistischer Diskriminierung, die gemeldet werden können und die auch bearbeitet werden, in allen Institutionen wie den Krankenversicherungen, in Kliniken, an den Universitäten, Anti-Diskriminierungsinstanzen in Ärzt:innenkammern, Psychotherapeut:innen-Kammern. Die sollen dann auch von Menschen besetzt werden, die rassismuskritisch denken und rassismuskritische Ansätze mitbringen.
Wir brauchen akute Anlaufstellen, Beratungsstellen, Antidiskriminierungsstellen, die sofort greifen und psychosoziale Beratung anbieten, als eine Art Soforthilfe für die Betroffenen selbst.
Diese Anlaufstellen sind vor allen Dingen auch für das Monitoring wichtig. Denn in der Bundesrepublik haben wir das Problem, dass es einfach sehr wenig Studien, sehr wenig generelle Zahlen und Fakten zu dem Thema gibt. Das macht es auf politischer Ebene schwer zu argumentieren und strukturelle Veränderungen einzufordern, wenn wir gar keine Grundlage haben, auf die wir uns stützen können.
Bereich Studium/ Qualifizierung
»Wir brauchen auf jeden Fall mehr Stimmen aus dem globalen Süden und deren Wissen. «Sina
Das Medizinstudium braucht sowohl eine inhaltliche Reform als auch eine Reform der Zugangsmöglichkeiten. Wer studiert überhaupt Medizin? Und warum sind das bestimmte Menschengruppen, die da reinkommen?
Natürlich soll generell jede Person, die die Qualifikation erbringt, diese Ausbildung, dieses Studium absolvieren dürfen. Jedoch ist es ganz klar, dass zu wenig Schwarze Personen, Indigene und Personen of Colour sich in diesen Studiengängen wiederfinden können.
Da treffen sich ganz viele Ebenen, die diese Zugänge erschweren. Da würden wir gerne ansetzen und schon in Ausbildung und Studium mit der Sensibilisierung für rassismuskritische Themen beginnen.
Im Kontext der Uni begegnet uns Klassismus, wenn wir uns anschauen, wer welche Stellen besetzt. Wer ist in Leitungspositionen? Wer sind die dozierenden Menschen? Natürlich unterrichten die auch aus ihrer Perspektive.
Und dass diese höheren Positionen eben von einer bestimmten Gruppe von Menschen und ganz oft eben auch einfach von einer bestimmten Klasse ausgeführt wird, zeigt sich ja auch schon im Studiengang, wer überhaupt die Student:innen sind, aus welcher gesellschaftlichen Schicht sie kommen.
Das hat viel damit zu tun, dass beispielsweise viele Student:innen sich dieses Studium gar nicht leisten können, einfach wegen Materialkosten und Arbeitszeit, die dann natürlich auch fehlt, um den eigenen Unterhalt und das eigene Leben zu finanzieren.
Gerade für Menschen mit Fluchtgeschichte oder Menschen aus Arbeiterfamilien, die nicht aus akademischen Kreisen kommen, ist dieser Einstieg viel schwieriger – Stichwort Intersektionalität.
Gleichzeitig würde ich mir wünschen, dass viel mehr mit Stipendien gearbeitet wird, gerade für rassifizierte Menschen. Und dann ist die Frage, wie kommen bestimmte Menschengruppen überhaupt an die Information, dass die Möglichkeit besteht, sich finanzielle Hilfe zu holen? Dafür braucht es natürlich auf politischer Ebene erstmal überhaupt diesen Fokus und den Willen, dass Gelder zur Verfügung gestellt werden.
Eine unserer konkreten Forderung ist auch, dass wir mehr Personen mit Auslandsqualifikationen in diesem Studium und dieser Ausbildung sehen. Die Abschlüsse vieler Personen aus dem globalen Süden, die dort ein Studium absolviert haben, werden nicht oder nicht schnell genug anerkannt. Wir brauchen auf jeden Fall mehr Stimmen aus dem globalen Süden und deren Wissen.
Zur Frage, wer ist im medizinischen Studium und wer befindet sich in der medizinischen Ausbildung oder ist in der Pflege tätig, müssen wir tiefer eintauchen. Da sehen wir auf jeden Fall einen Unterschied, denn in der Pflege arbeiten viele Personen mit Migrationshintergrund. Wir befinden uns in so einer Teilabhängigkeit miteinander, denn gerade Menschen mit Fluchterfahrung, die nach Deutschland einwandern und nach Berufen suchen und zum Beispiel von den entsprechenden Ämtern unterstützt werden, werden gerne in Pflegeberufe gesteckt. Da haben wir einen krassen Bedarf, und für die potenziellen Arbeitnehmer bedeuten diese Berufe natürlich Sicherheit. Diesen Beruf kannst du behalten, da werden immer Menschen gebraucht. Er gibt dir finanzielle Sicherheit, auch Sicherheit für die Zukunft. Du wirst irgendwann Rente bekommen. Aber es ist wichtig, dass wir das aufbrechen: Wem raten wir, in die Pflege zu gehen? Wen sehen wir da? Und wenn es dann aber um Akademisierung geht, wen sehen wir da nicht? Wen pushen wir nicht?
Es ist wichtig, dass wir auch mit Repräsentation arbeiten und die Menschen zu empowern, und ihnen die Möglichkeit lassen, weitere Fortbildungen zu machen, um dann eben nicht in der Pflege zu sein, wenn sie dafür überqualifiziert sind.
»Wem raten wir, in die Pflege zu gehen? Wen sehen wir da? Und wenn es dann aber um Akademisierung geht, wen sehen wir da nicht? Wen pushen wir nicht? «Yasmina
Das setzt sich auch generationübergreifend fort. Wenn du in deiner Familie siehst, okay, das ist das, was ich scheinbar erreichen kann, dann fällt es natürlich auch schwer, darüber hinaus zu denken und ins Studium zu gehen. Auch das Einkommen, das Vermögen, gibst du deinen Kindern weiter und deren Kindern. Wenn diese Schleife nicht aufgebrochen wird, dann siehst du dich natürlich auch nur in bestimmten Berufen.
Uns ist es auf jeden Fall wichtig, dass generell die Studiengänge reformiert werden müssen, weil viele Lerninhalte noch sehr postkolonial geprägt sind. Das wirkt sich dann natürlich auch auf die medizinische Praxis aus.
Es geht um eurozentristische Literatur, Studien und Forschungsmaterial, aber auch darum, wer welches Wissen vermittelt. Das beeinflusst ja auch, warum bestimmtes Wissen nicht hinterfragt wird, warum bestimmtes Wissen außen vor gelassen wird. Im US-amerikanischen Raum gibt es sehr viel Forschung zum Themenbereich Gesundheit und Rassismus und wir beobachten, dass das hier sehr wenig miteinbezogen wird in der medizinischen Praxis. Ganz oft fehlt eine kritische Auseinandersetzung mit bestimmten biologistischen Annahmen, die immer noch gelehrt werden und tatsächlich noch in Curricula vorhanden sind.
Ein Beispiel war eine zeitlang auf social Media medial sehr präsent. Eine Person hat gezeigt, wie unterschiedlich Hautkrankheiten auf verschiedenen Hauttypen aussehen. In der Dermatologie wird oft von weißer Haut ausgegangen, weshalb Krankheiten nicht frühzeitig erkannt werden und bestimmte Symptome nicht richtig zugeordnet werden. Es gibt einfach kein Interesse, bei Menschen, die nicht dieser weißen Mehrheitsgesellschaft entsprechen, anzusetzen.
Ähnlich wurde in der Medizin vom männlichen Körper ausgegangen in der Forschung und Medikamentenentwicklung, was schädliche Auswirkungen auf den weiblichen Körper hat.
»Wir fordern eine obligatorische Sensibilisierung, was rassismuskritische Strukturen angeht, gerade für das medizinische Personal.«Yasmina
Wir haben weitere konkrete Forderungen, was sich im Gesundheitssystem verändern muss.
Wir fordern eine obligatorische Sensibilisierung, was rassismuskritische Strukturen angeht, gerade für das medizinische Personal. Und das betrifft jeden Bereich, den wir uns vorstellen können, mit dem wir als Nutzer:innen Kontakt haben, sei es beim Hausarzt, bei der Hausärztin oder sei es auch bei dem:der Therapeut:in, die dann Rassismuserfahrungen nicht miteinbezieht in der Therapie oder nicht ernst nimmt.
Wir fordern staatliche Subventionen für Projekte, die von BIPoCs geführt werden, die diese Bildungsarbeit in Institutionen leisten. Das muss fest etabliert werden, dass diese Projekte priorisiert Geld bekommen.
Eine Idealvorstellung, die wir haben, ist es, eine einheitliche bundesweite Datenbank zu schaffen, die online zur Verfügung steht, in der rassismuskritische Ärzt:innen, Mediziner:innen und Expert:innen of Colour zu finden sind. Jedoch sehen wir so eine Datenbank aktuell auch extrem kritisch, da wir befürchten müssen, dass solche Veröffentlichungen auch Grundlage für rechte Gewalt bieten, Stichwort NSU 2.0.
Aber unser Ziel ist es, so etwas aufbauen und etablieren zu können und das geschützt machen zu können. Es ist wichtig, dass diese ganzen Angebote nicht nur in den typischen Ballungsräumen stattfinden, in Berlin, Hamburg, Köln etc. sondern auch auf den ländlichen Gebieten zu Verfügung stehen für Menschen, die diese Zugänge nicht haben, und die eben auch aufgrund von Diskriminierung verwehrt werden.
»Wir fordern staatliche Subventionen für Projekte, die von BIPoCs geführt werden, die diese Bildungsarbeit in Institutionen leisten.«Yasmina
Welche Arbeit sollte von anderen geleistet werden?
Uns ist es erstmal wichtig, dass sich andere Teile der Gesellschaft dahingehend sensibilisieren, dass struktureller Rassismus wirklich jede Struktur der Gesellschaft betrifft und somit auch das Gesundheitssystem. Wir haben ganz häufig das Gefühl, dass dieser erste wichtige Schritt nicht gemacht wird.
Es ist wichtig, dass auch andere Gruppen, die beispielsweise auch von anderen Diskriminierungsformen betroffen sind, Aufklärungsarbeit leisten. Denn nur weil ich diese eine Diskriminierungserfahrung mache, heißt das nicht, dass ich weiß, was es bedeutet, eine andere Diskriminierungserfahrungen zu machen oder dass ich sie nicht auch reproduzieren kann. Da wünschen wir uns mehr Sensibilität und Empathie.
»[es ist] ganz wichtig, dass auch von der weißen Mehrheitsgesellschaft Forderungen gestellt werden.«Sina
Im zweiten Schritt ist es ganz wichtig, dass auch von der weißen Mehrheitsgesellschaft Forderungen gestellt werden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass auf weiße Institutionen oder weiße Individuen eher eingegangen wird und es ernster genommen wird, wenn Problemstellen benannt werden.
Dann ist es auf struktureller Ebene ganz wichtig, dass Ressourcen für diese Arbeit zur Verfügung gestellt werden und dass von weißen Institutionen Gelder in BIPoC und FLINTA Strukturen fließen, sodass diese unterstützt werden.
Wir fordern mehr Sichtbarmachung von BIPoC Stimmen und BIPoC Erfahrungen, vor allem auch die Einbeziehung von nicht-eurozentristischer wissenschaftlicher Arbeit.
»Wir fordern mehr Sichtbarmachung von BIPoC Stimmen und BIPoC Erfahrungen, vor allem auch die Einbeziehung von nicht-eurozentristischer wissenschaftlicher Arbeit.«Sina
Wir müssen diesen Appell ganz laut machen, dass auch nichtbetroffene Menschen diese Forderung vertreten und diese Arbeit ebenso leisten müssen und auch innerhalb staatlicher Projekte und auf der staatlich finanzierten Ebene durchsetzen müssen, dass diese Arbeit gesehen wird.
Es ist wichtig, dass das keine ausschließlich politische aktivistische Arbeit in einer gesellschaftlichen Nische ist, sondern dass sich die Einsicht durchsetzt, wie wichtig das Ganze ist und dass es uns alle betrifft. Dass wir als Kollektiv, wir als Gesellschaft daran arbeiten müssen. Wir müssen ganz stark mit Datenerhebung arbeiten, Stichwort Afrozensus. Der Afrozensus war die bundesweit erste Befragung Schwarzer Menschen in der EU, wie sie diskriminiert werden und es wurden alle Teilbereiche der Gesellschaft aufgezählt. Das ist eine enorm wichtige Arbeit, auf deren Daten wir uns jetzt berufen und auf die wir unsere Forderungen stützen können.
»Es ist wichtig, dass das keine ausschließlich politische aktivistische Arbeit in einer gesellschaftlichen Nische ist, sondern dass sich die Einsicht durchsetzt, wie wichtig das Ganze ist und dass es uns alle betrifft. Dass wir als Kollektiv, wir als Gesellschaft daran arbeiten müssen.«Yasmina